Ein paar Gedanken

Einige Zeit später suchte ich regelmäßig afrikanische Trommel-meister auf, um deren Liedkultur kennenzulernen, die mir viele neue Einsichten für das kreative Spielen verlieh.

Mit dem Klavierspiel erlebte ich als Kind an der Musikschule und später als Student an der Hochschule zum Glück ähnliche Momente des Rausches (jedoch nicht bei Prüfungsvorspielen!). Sie gehören mit zu den schönsten Momenten meines Lebens. Diese Momente entstanden und entwickelten sich meistens spontan und ohne jede Autoritätskontrolle. Große Konzerte mit viel Beifall und Anerkennung sind mir nur blaß in Erinnerung geblieben. Die größte Herzensfreude war das progressive Spielen mit Freunden, vor Freunden und auch ganz allein.

 

Internet Musikschule Chemnitz für Klavier und Perkussion

 

Den Weg zur Musik fand ich als kleiner Junge nicht durch Begeisterung. Die Freiwilligkeit und der damit verbundene Spaß wurde durch den Ernst mit der Aufnahme in eine städtische Musikschule ersetzt. Der dort vorherrschende Lehrplan mit Leistungsdruck, Zwangsvorspielen, Prüfungen und Wettbewerben vergärten mir den Geschmack am Klavierspiel. Erst viel später, nach dem Durchlauf von allerhand Dressuren in der Musik-, Spezial- und Hochschule, wurde mir klar, daß die ganzen Prozeduren überhaupt nicht nötig, sondern für eine Entwicklung mit Freude schädlich waren. Trotz allem habe ich die Liebe zur Musik nie verloren. Heute betrachte ich die Kunstgefertigten kritisch, unter welchem Preis sie ihr Können erlangt haben. Jeder sollte sich fragen, ob solche Resultate bewunderungs- und nachahmenswert sind.

Der Weg zum Trommeln gestaltete sich durch das freie Spiel mit Freunden. Was für ein Spaß! Wir klopften einfach wild drauf los. Nicht nur Trommeln wurden benutzt, sondern auch Marmeladengläser, Messer und Gabeln. Einmal diente auch ein alter Kontrabaß als Klangkörper. Die rhythmischen Spontaneitäten ertönten mal laut, mal leise, das Tempo war langsam bis schnell, ja, es mußte manchmal sehr schnell sein – wir verspürten innerlich ein Jauchzen, wir vergaßen die Zeit und wurden wieder Kinder, die spielten mit viel Freude und kraftvoller Energie. Einmal, in einer Silvesternacht, begannen wir nach dem Abendessen unser grooviges Spiel ohne Pause und beendeten dieses gegen 4 Uhr am Morgen. Unsere Kinder und Frauen tanzten dazu. Sie waren vom Trommeln nicht ausgeschlossen! Es fügte sich einfach so.

 

Nun sehe ich mich zu der Aufgabe berufen, wenn ich Menschen unterrichte, sie auf den Weg des begeisternden Spieles zu führen. Das funktioniert nach meinen Erfahrungen und Erkenntnissen auf keinen Fall, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Die erste wichtige Voraussetzung ist der Wille, sich dem Spielen und dem Erlernen von Fertigkeiten hinzugeben. Das bedeutet, sich langfristig – für mindestens ein Jahr – für die Sache einzurichten und einzustellen. Ein Instrument sollte als Hauptinstrument gewählt werden. Beim Erlernen des Klavierspiels ist ein akkustisches Instrument unabdingbar. Der Unterricht sollte mindestens einmal in der Woche erfolgen und die Zeit nicht unter 45 Minuten, eher länger, in Anspruch genommen werden. An den 6 (!) anderen Tagen müssen Zeitfenster von ungefähr 60 Minuten geplant werden, um die Fertigkeiten zu festigen. Nur die stete Wiederholung führt zu einem befriedigendem Gelingen, die Elemente und Bausteine variationsreich und virtuos einsetzen zu können.

 

Leider muß ich nach einem viertel Jahrhundert meiner Tätigkeit bilanzieren, daß nur wenige Menschen zum Spiel – ich meine nicht das Abspielen von Noten – gefunden haben. Lag bzw. liegt es nicht einerseits an der Tatsache, daß Menschen im jungen Alter in der Schule ein Jahrzehnt (!) permanent Anweisungen empfangen, anstatt ihr Leben frei zu bestimmen? Ist es dabei verwunderlich, daß dadurch fast jede kreative Entwicklung erstickt? Und andererseits wurden hauptsächlich die Voraussetzungen vernachlässigt. Würde man Punkt eins, die aufgezwungenen Unterweisungen tilgen, wäre Punkt zwei, das Finden zum Spiel, leicht zu realisieren. An dieser Stelle muß sich jeder fragen, was wichtiger ist: die Anpassung an die staatliche Ordnung, das Mit-Dahin-Schwimmen im „Kanal“ oder die Wiederherstellung einer Natürlichkeit und der Fähigkeit, das lebendige und reizvolle Serven auf dem „Wildbach“ zu meistern.

So oder so gilt es für das Erlernen des Spieles eines Instrumentes, auf die Balance zwischen dem Spiel und dem Üben zu achten und sie zu pflegen.

 

Ich werde nur noch mit Menschen arbeiten, die bereit sind, die Voraussetzungen zu erfüllen. Bei jungen Menschen ist eine Unterstützung und Betreuung, aber keine Kontrolle (!), der Eltern erforderlich.

 

Wenn Du oder Sie bereit sind, freue ich mich auf eine spannende Zeit der Zusammenarbeit und des Erlebens eines lustvollen Spiels.

 

Torsten Kneissl

3. Januar 2016

 

 

"Kinder sind weder Gefäße, die gefüllt, noch Flammen, die entzündet werden wollen.

Sie sind ein brennendes Feuer, das nicht gelöscht werden sollte ."

André Stern

Urigkeit versus Zuvielisation

 

Man kann bei afrikanischer Musik von drei wesentlichen Merkmalen ausgehen. Die rhythmische Komplexität ist nur eines davon; die beiden anderen sind sozialer Natur.

Bei Aufführungen ernster Musik in der westlichen Welt sind Musiker und Publikum deutlich voneinander getrennt, nicht selten auch in physischer Hinsicht. Ihre Einstellungen und ihr Verhalten sind geprägt von Gegensätzen: Sie stehen einander gegenüber, die einen spielen, die anderen hören zu, die einen applaudieren, und die anderen verbeugen sich, die einen erzeugen Laute, die anderen schweigen.

 

Im Gegensatz dazu könnte man sagen, daß bei der schwarzen Musik Künstler und Publikum ineinander aufgehen. Sie bilden veränderliche, durchlässige Zirkel. Das erste erkennbare musikalische Merkmal der afrikanischen Musik ist, daß sie zum Mitmachen einlädt – was sich darin äußert, daß an solchen Veranstaltungen eine relativ große Anzahl musikalisch befähigter Menschen teilnimmt oder sich zumindest mit Singen, Händeklatschen und Tanzen beteiligt. Das zweite Merkmal ist, daß afrikanische Musik eine soziale Aufgabe erfüllt: Die Musik ist nichts Separates, das um seiner selbst willen existiert, sondern ist als positiver Einfluß an vielen wichtigen Stellen im Leben des einzelnen und der Gemeinschaft präsent.

Internet Musikschule Chemnitz
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